klimawandel

Grundsteinlegung für Zukunftstechnologie Blauer Turm in Herten

Wirtschaftsministerin Christa Thoben und Bürgermeister Dr. Uli Paetzel legen Grundstein für 42 Meter hohe Demonstrationsanlage H2Herten

Innovative Technologie nutzt Straßenbegleitgrün zur Wasserstoff- und Stromproduktion

Nahezu unbegrenztes Potenzial an Standorten durch  unterschiedliche regenerative Eingangsstoffe

Gesamtinvestition von 24,6 Millionen Euro wird mit 7,1 Millionen Euro vom Land Nordrhein-Westfalen gefördert

Herten (ots) - Die H2Herten GmbH, ein Unternehmen der Solar Millennium Gruppe, legt heute den Grundstein der Demonstrationsanlage Blauer Turm in der Stadt Herten (Kreis Recklinghausen). In der 42 Meter hohen Anlage soll Straßenbegleitgrün aus dem Ruhrgebiet zur Wasserstoff- und Stromproduktion verwertet werden. Das Investitionsvolumen beträgt rund 24,6 Millionen Euro. Nach Fertigstellung wird die Anlage Wasserstoff produzieren und zugleich rund 12.000 Haushalte, etwa ein Drittel der Haushalte der Stadt Herten, mit umweltfreundlichem Strom versorgen.

Die Ministerin für Wirtschaft, Mittelstand und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen Christa Thoben, Bürgermeister Dr. Uli Paetzel, der Vorstandsvorsitzende der RAG Aktiengesellschaft, Bernd Tönjes, die Vorstände der Solar Millennium AG, Thomas Mayer und Dr. Henner Gladen sowie die Geschäftsführer der H2Herten GmbH, Christian Reiser und Dr. Heinz-Jürgen Mühlen, legten gemeinsam den Grundstein der Demonstrationsanlage. Ziel der Anlage ist es, den Nachweis der Marktreife der Technologie zu erbringen, um sie im Anschluss weltweit zu vermarkten.

Im Blauen Turm wird aus Straßenbegleitgrün zunächst ein sauberes, wasserstoffreiches Produktgas - das sogenannte "Blaue Gas" - hergestellt, das zur Stromerzeugung in einem Blockheizkraftwerk genutzt wird. Zusätzlich kann die Anlage in der ersten Ausbaustufe bis zu 150 Kubikmeter Wasserstoff pro Stunde produzieren, der dem benachbarten Wasserstoff-Kompetenzzentrum bereitgestellt werden soll - ein Vorhaben der Stadt am Zukunftsstandort Ewald, in das der Blaue Turm konzeptionell eingebunden ist. Die Anlage wird rund 17,8 Mil-lionen Kubikmeter Erdgas und rund 15.000 Tonnen Kohlendioxid im Jahr einsparen. Im Blauen Turm H2Herten werden rund zehn Mitarbeiter beschäftigt sein. Rund 40 weitere Arbeitsplätze entstehen mittelbar im Service- und Zuliefergewerbe.

Das Land Nordrhein-Westfalen fördert das Projekt mit 7,1 Millionen Euro. Wirtschaftsministerin Christa Thoben unterstrich anlässlich der Grundsteinlegung die Bedeutung des Projekts: "Der Blaue Turm wird ein wesentlicher Baustein des Wasserstoff-Kompetenzzentrums der Stadt und ein Zeichen für den erfolgreichen Strukturwandel in der Energiestadt Herten - von der ehemals großen Bergbaustadt hin zur führenden Wasserstoffstadt." Dr. Uli Paetzel, Bürgermeister der Stadt Herten, sagte: ""Der Blaue Turm ist ein wichtiger Bestandteil des Hertener Wasserstoff-Kompetenzzentrums. Diese Anlage ermöglicht, aus Biomasse Wasserstoff herzustellen - und stellt damit für unser Ziel, ein kommunales H2-Technologiezentrum mit praktischen Anwendungen zu errichten, einen wichtigen Baustein dar. Am Zukunftsstandort Ewald können wir so den gesamten Prozess der neuen H2-Technologie - von der Forschung und Entwicklung über die Produktion bis hin zur praktischen Anwendung - abbilden."
Dr. Heinz-Jürgen Mühlen, Geschäftsführer der H2Herten GmbH und Patentinhaber betrachtet den Blauen Turm in Herten als international bedeutsame Referenzanlage: "Unsere Technologie benötigt keine Lebens- oder Futtermittel. Vielmehr verwertet sie regenerative Reststoffe, die nahezu überall verfügbar sind. Anders als bei den bekannten Technologien der Biomassenutzung können wir daher sehr unterschiedliche Eingangsstoffe nutzen, so dass sich weltweit ein nahezu unbegrenztes Potenzial an Standorten ergibt. So können in anderen Regionen auch Olivenkerne oder Hühnermist als Eingangsmaterialien genutzt werden. Wir haben bereits jetzt zahlreiche Anfragen aus der ganzen Welt für unsere Technologie."

Die Solar Millennium AG engagiert sich mit über 17 Millionen Euro am Standort Herten. Thomas Mayer, Finanzvorstand von Solar Millennium, wies auf die Tradition Nordrhein-Westfalens in den Branchen Energie und Anlagenbau hin: "Auch wenn wir ein süddeutsches Unternehmen sind, arbeiten hier die meisten Mitarbeiter in unserer Gruppe: in Köln bei unserer Technologietochter Flagsol GmbH und in Essen bei unserem Joint Venture mit MAN Ferrostaal, der MAN Solar Millennium GmbH. Im Ruhrgebiet haben wir in den letzten Monaten auch den Aufbau unseres neuen Parabolrinnen-Kollektors getestet, der gegenüber der in den spanischen und ägyptischen Kraftwerken eingebauten vorherigen Kollektoren-Generation Kosteneinsparungen von 15 bis 20 Prozent ermöglicht." Mayer sieht große Chancen in der Kopplung solarthermischer Stromerzeugung mit der Technologie des Blauen Turms: "Ein entscheidender Vorteil solarthermischer Kraftwerke gegenüber anderen erneuerbaren Energien ist die Möglichkeit, durch den Einsatz thermischer Speicher auch dann Strom zu produzieren, wenn die Sonne nicht scheint, jedoch ein hoher Strombedarf vorhanden ist. Durch die Kombination von Solarenergie mit dem im Blauen Turm erzeugten Gas im Hybridbetrieb können wir diesen Vorteil zukünftig noch stärker ausbauen."

Über die Technologie des Blauen Turms:

Die Verwertung regenerativer Reststoffe zur Erzeugung von Energie oder Wasserstoff beruht auf dem Prinzip der gestuften Reformierung. Dabei werden die Eingangsstoffe durch Thermolyse bis auf einen geringen Feststoffanteil in Gas umgewandelt. Das entstehende Gas wird durch Reformierung zu einem sauberen, klimaneutralen Produktgas, dem Blauen Gas, veredelt. Die Reaktionswärme für Thermolyse und Reformierung wird im Wesentlichen durch Verbrennung aus dem Feststoffanteil gewonnen. Das Blaue Gas kann unter anderem zur Wasserstoff- und Stromerzeugung genutzt werden. Der Blaue Turm ist eine Multifeedstock-Technologie. Das heißt, dass sehr unterschiedliche Stoffe eingesetzt werden können, beispielsweise Grünschnitt, Straßenbegleitgrün, Olivenkerne oder Hühnermist. Mehr unter www.blue-tower.de
Über die Blue Tower GmbH und die H2Herten GmbH:
Die H2Herten GmbH ist die Projektgesellschaft des Demonstrationsprojekts Blauer Turm in Herten. Sie ist eine 90prozentige Tochtergesellschaft der Blue Tower Capital GmbH, Erlangen, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Solar Millennium AG. Die übrigen zehn Prozent werden von der Blue Tower GmbH, Herten, der Technologiegesellschaft des Blauen Turms, die sich zu 76 Prozent im Besitz der Solar Millennium AG und zu 24 Prozent des Patentinhabers Dr. Heinz-Jürgen Mühlen befindet, gehalten.

Über die Solar Millennium AG:

Die Solar Millennium AG, Erlangen, ist ein global tätiges Unternehmen im Bereich erneuerbarer Energien mit dem Schwerpunkt auf solarthermischen Kraftwerken. Zusammen mit den Tochtergesellschaften hat sich das Unternehmen auf Parabolrinnen-Kraftwerke spezialisiert, eine erprobte und zuverlässige Technologie, in der der Konzern weltweit eine Spitzenposition einnimmt. Dabei werden alle wichtigen Geschäftsfelder entlang der Wertschöpfungskette solarthermischer Kraftwerke von der Projektentwicklung über die Technologie, den schlüsselfertigen Bau der Anlagen bis hin zum Betrieb und Kraftwerksbesitz abgedeckt. Solar Millennium hat in Spanien die ersten Parabolrinnen-Kraftwerke Europas entwickelt und mit Partnern realisiert. Weitere Projekte mit einer Leistung von über 2.000 Megawatt befinden sich weltweit in Planung. Regionale Schwerpunkte sind derzeit Spanien, USA, China und Nordafrika. Außerdem verfolgt das Unternehmen das Ziel, die Marktreife der so genannten Blue Tower Technologie zur Gewinnung von wasserstoffreichem Produktgas aus der Verwertung regenerativer Reststoffe und langfristig auch der Aufwind-Kraftwerke zu erreichen. Mehr unter www.SolarMillennium.de .

Über die Technologie solarthermischer Kraftwerke:

Solarthermische Kraftwerke erzeugen aus der in Wärmeenergie umgewandelten Sonnenstrahlung Strom. Bei einem Parabolrinnen-Kraftwerk bündeln rinnenförmige Spiegel die einfallenden Strahlen auf ein Rohr in der Brennlinie des Kollektors. Durch ihre Absorption wird im Rohr eine Wärmeträgerflüssigkeit erhitzt, die im Kraftwerksblock mittels Wärmetauscher Dampf erzeugt. Wie bei konventionellen Kraftwerken wird der Dampf in einer Turbine zur Stromgewinnung genutzt. Bei Integration eines thermischen Speichers kann der Strom planbar bereitgestellt werden. Die Solarkraftwerke können dann auch nach Sonnenuntergang Strom erzeugen.

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