07.03.2007: Klimawandel reduziert Vielfalt im Wattenmeer

Klimawandel reduziert Vielfalt im Wattenmeer

Flaches Wattenmeer von steigenden Meeresspiegeln besonders betroffen Sylt (pte/07.03.2007/13:45) - Der Klimawandel verändert auch das Ökosystem des norddeutschen Wattenmeeres. Zu diesem Ergebnis kommen Umweltwissenschaftler, die in der Wattenmeerstation Sylt des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI) http://www.awi.de/de/ über Entwicklungen im nördlichen Wattenmeer diskutierten haben. Das flache Wattenmeer reagiere sogar besonders sensibel auf die globale Erderwärmung und den daraus resultierenden
steigenden Wasserspiegel. "Langfristig werden die Auswirkungen des Klimawandels die Vielfalt der Lebensräume im norddeutschen Wattenmeer reduzieren", sagt Karten Reise von der Wattenmeerstation Sylt des AWI gegenüber pressetext.

Besorgt registrieren die Meereswissenschaftler etwa den Rückzug des Schlickwatts und eine Ausdehnung grobkörniger Sandböden. Die Fläche des biologisch wertvollen Schlickwatts hat sich durch Eindeichungsmaßnahmen ohnehin reduziert. Die naturbelassenen Gebiete folgten dem langsamen Anstieg des Meeresspiels zuvor über Jahrtausende, da sich stets ausreichend neue Sedimente ablagerten. Doch dieses Mitwachsen des Wattbodens scheint nun gestört - der Meeresspiegel steigt schneller. "Vor allem der Bereich vor den befestigten Deichen wird allmählich ausgeräumt", sagt Reise. "Die Wellen treiben den Schlick ins Meer hinaus."

Darüber hinaus hat sich die Planktonproduktion durch die Verlängerung der Sommersaison um einen Monat verlängert. Davon profitieren vor allem die zu Kulturzwecken eingeführten Pazifischen Austern, die jetzt viele Muschelbänke überwuchern. "Die Auster scheint sich ideal an die  Bedingungen angepasst zu haben", sagt Reise. Zunächst war angenommen worden, dass sich die Austern im kalten Nordseewasser nicht vermehren könnten. Die in den vergangenen Jahren beobachtete Erwärmung der Nordsee habe die Invasion dann allerdings stark begünstigt. Von dieser Entwicklung besonders betroffen sind die heimischen Blaumuscheln, die zunehmend verdrängt werden - und damit auch als Futterquelle für Vögel ausfallen.

Erfreut zeigten sich die Meereswissenschaftler dagegen über rückläufige Nährstoffeinträge, so dass sich die Seegrasbestände im nördlichen Wattenmeer wieder erholt haben. Eine Entwicklung, die der steigende Meeresspiegel und ein stärkerer Seegang allerdings bald beenden könnte. Als Kinderstube vieler Fische sind Seegraswiesen eine
Schlüsselkomponente im Ökosystem Wattenmeer.

"Insgesamt ist der Anstieg des Meeresspiegels das Anzeichen einer Besorgnis erregenden Entwicklung", sagt Reise. "Doch diese Entwicklung verändert nicht nur die Ökologie des Wattenmeeres. Auch der Mensch muss seine Besiedlung an der Küste dieser neuen Situation anpassen." (Ende)

http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=070307030
Aussender: pressetext.deutschland
Redakteur: Christoph Marty
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