klimawandel

15.09.2007: Kurswechsel beim Verpackungsrecycling gefordert

Verbesserung biologischer und technischer Kreislaeufe angestrebt

Berlin (pte/15.09.2007/06:05) - Verantwortungsvoller und nachhaltiger Klimaschutz koenne nur dann wirkungsvoll sein, wenn die politischen Rahmenbedingungen Materialkreislaeufe ermoeglichen und neuen, recyclingfaehigen Materialien einen Marktzugang eroeffnen. So lautete der Tenor des Parlamentarischen Abends des Bundesverbandes Wettbewerb,Produktverantwortung und Innovation http://www.bwpi.de in Berlin. BWPI-Praesident Professor Carl Christian von Weizsaecker verwies auf die Notwendigkeit, Materialkreislaeufe zu etablieren, die ein Recycling auf der gleichen Stufe der Wertschoepfungskette ermoeglichen: "Wir haben es ueber Jahre hinweg hingenommen, dass hochwertige Produkte zu minderwertigen downgecycelt werden. Damit muss nun Schluss sein". Als aktuelles Vorhaben nannte er die im Bundestag anstehende Novelle der Verpackungsverordnung. Hier bestehe die "große Chance, für recyclingfähige, innovative Kunststoffe einen geschlossenen Materialkreislauf zuzulassen". Dabei bezog sich Weizsäcker auf ein Gutachten des Hamburgischen Weltwirtschaft Instituts (HWWI) http://www.hwwi.org . Die Studie empfiehlt, in der Verpackungsverordnung Innovationen vor allem in zwei Bereichen zu fördern: erstens bei ressourcenschonenden Verpackungsmaterialien und zweitens auf den verschiedenen Stufen der Abfall-Logistik. Erheblichen Nutzen sieht Weizsäcker auch für den Verbraucher.

Bislang sei die Verpackungsentsorgung in Deutschland im europäischen Vergleich bei weitem am teuersten, obwohl in allen EU-Staaten die gleiche Verpackungsrichtlinie zugrunde liege: Während jeder Franzose nur 6,70 Euro pro Jahr für die Entsorgung gebrauchter Verpackungen zu zahlen hat, muss ein deutscher Verbraucher rund 19,50 Euro bezahlen. "Wir zahlen also fast drei Mal so viel wie ein französischer Verbraucher. Hier sind erhebliche finanzielle Entlastungen in Sicht", ist Weizsäcker überzeugt. Um dies zu erreichen, fordert er substantiellen Wettbewerb bei der Entsorgung von Verkaufsverpackungen und die Verbesserung der Marktzugangschancen für innovative Materialien. Gastredner Professor Michael Braungart, Direktor der Internationalen Umweltforschungsgesellschaft EPEA http://www.epea.com , kritisierte, dass notwendige zukunftsweisende Innovationen durch kurzsichtige politische Reglementierungen behindert würden. Dies führe allenfalls zu marginalen Effizienzsteigerungen, nicht aber zu einem notwendigen
Umdenken in der Umweltpolitik.

Daher forderte Braungart einen umweltpolitischen Paradigmenwechsel: Das bisherige Bemühen um Öko-Effizienz nach dem Motto "Reduzieren - Minimieren - Vermeiden" führe angesichts wachsender Weltbevölkerung in eine Sackgasse. Statt sich an diesem langfristig erfolglosen Ansatz zu orientieren, müsse sich eine moderne, nachhaltige Umweltpolitik an dem Grundsatz "cradle to cradle" - von der Wiege zur Wiege - ausrichten. Dieser Grundsatz strebe biologische Kreisläufe für Verbrauchsgüter und technische Kreisläufe für Gebrauchsgüter an. "Der Gesetz- und
Verordnungsgeber hat die Chance und die Aufgabe, solche zukunftsweisenden Entwicklungen zu fördern", so Braungart. Man sollte so gute Rohstoffe erzeugen, die problemlos und ohne Verlusterscheinungen möglichst lange unter uns weilen - und benutzbar bleiben. (Ende)

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